Geschichte

Die Geschichte des Hauses

Von der ehemaligen „DJH“ zum Hotel „Drei Bären“ in Altenau

 

Ein Wiedersehen nach nahezu 5 Jahren in den alten Gemäuern der ehemaligen Jugendherberge Altenau, gelegen hoch oben in den Bergen im Harz, die inzwischen den Namen „Hotel Drei Bären“ trägt.

Als ich das Haus betrat musste ich schmunzeln. Da stand ich nun vor der Rezeption, die schönen Erinnerungen, teilweise mit Stolz (jahrelange Treue) sowie mit Wehmut (zu Ende), zurück in die eigene Kindheit versetzt, auch in die der nachfolgenden Generationen, die inzwischen erwachsen und selbst Kinder hatten, kamen hoch. Es hat sich nichts verändert, das Flair von Damals wohnt immer noch hier.

Man schließt die Augen, in Gedanken versunken, die Reise beginnt.

 

Alles begann im Jahre 1927 mit einem kleinen, jetzt in den Jahren gekommenen Haus. Es hatte ca 13 Zimmer, wo sich die Toiletten und Duschen im Flur nahe dem Treppenhaus befanden,in den oberen Etagen. Im unteren Bereich wurde die damalige Terrasse, so um 1958, in die Wohnung der Herbergseltern umgebaut, die immer mit Herbergsvater und Herbergsmutter angesprochen wurden. So um 1949 bis 1952 wurde der erste Anbau getätigt, wo das Hilfspersonal untergebracht wurden.Unter diesem Anbau befanden sich zu den Anfängen die Stallungen für die Schweine, die auch selbst geschlachtet wurden sowie die Küche. Dort mussten die Kinder auch selbst Kartoffeln schälen. Nur die gut Betuchten haben sich durch ein Obolus  entzogen so das die Hilfskräfte in ihrer Pause für sie geschält haben.

 

An der Rezeption, wo sich das Leben in den Gängen rund um den Herbergseltern drehte, wurden nur die Sitzgelegenheiten von der anfänglichen Holzbankecke zu dem bequemeren Sofa und Sesseln ausgetauscht und die großen Getränkeautomaten am Speisesaal durch Sitze verändert. Das öffentliche Telefon unter der Wendeltreppe existiert nicht mehr. Schade. Die Hauptgänge sind geblieben und wurden nur durch Kleinigkeiten verschönert.

 

Aufgrund der vielen Nachfragen wurde das Haus zwischen 1970 – 1972 um weitere zwei Trakte mit je 4 Zimmern, getrennt durch ein Treppenhaus, am Speisesaal zur Rasenfläche hin erweitert. Diese Zimmer, je 2 Zimmer rechts und links, beinhalteten 3 Etagenbetten getrennt durch ein gemeinsames Bad und Sanitäranlage.  Dort ging es immer lustig und ausgelassen zu, als wir uns Bett- bzw.  im Jugendalter Ausgeh fertig gemacht hatten. Beides erlebte ich selbst im Kindes- und Jugendalter und noch darüber hinaus. Der Neubau wurde mit einer feuerfesten Eisentür abgetrennt.

 

Im alten Haus, jetzt Haus 1, erinnere ich mich noch an ein schmales Zimmer mit 6 Etagenbetten, die entlang der kleinen Fenster unter dem Dach standen, wo immer eine Betreuerin mit übernachtete. In diesem Haus hatten ich in meiner Kinderzeit so manche Nachmittage damit verbracht mich an den Türrahmen festzuklammern, während die Jungen uns aus unseren Zimmern über die Böden zogen oder schubsten. Wir waren dort sehr ausgelassen, haben getobt und sind gerannt - eben Kinder.

Dieses Zwölferzimmer, in unserer Sprache, wurde im Jahre 1990 zur Bibliothek umfunktioniert, wo sich die Gäste zurückziehen konnten, um dem Trubel der Kinder zu entfliehen oder sich einfach nur einer Lektüre hinzugeben oder die Stille zu genießen. Ansonsten sind die anderen Zimmer in ihren Ursprung erhalten geblieben, so wie man es aus der Herberge kannte. Hier wurden nach dem Anbau, meist die Familien und die  Einzelpersonen untergebracht. Jetzt  übernachten die Klassen hier.

 

Von der Eingangshalle ging ein kleiner Gang zu den öffentlichen Toiletten, den Privaträumen der Angestellten und dem Max und Moritz Raum ab. Der Max und Moritz Raum wurde zum Ende der Herbergszeit zum Spielezimmer der kleinen Gästen sowie auch als Speiseraum der Familien und Einzelpersonen genutzt, damit sie in den lauten Trubel der Gruppen nicht untergingen und beim Essen Ruhe hatten. Dieses wird weiterhin so gehandhabt.Von der Halle aus geht eine Wendeltreppe hinauf zum Kaminskiraum, wo ein Klavier steht damit die Leute üben können die dieses Instrument spielen. Zu meiner Zeit wurde, durch eine Kette an der Treppe, der Zugang versperrt. Ansonsten wurde der Kaminskiraum zum Fernseen der Einzelpersonen genutzt damit sie Ruhe hatten. Dort haben wir an Tag der Abreise unser Video angeschaut welches in den Tagen produziert wurde.  

 

Weiter geht es über den langen Gang zum Speisesaal, der den Namen Försterkopf hat. Alle Gemeinschaftsräume bekamen Namen zur besseren Orientierung.

Der Speisesaal, der große, wo überwiegend die Gruppen speisten, hat sich im Prinzip nicht verändert. Die Zehner -Tische wurden zur Saalanordnung umgestaltet, damit diese für Feiern zur Seite gerückt werden können.

Die Essensausgabe aus der Küche hinaus, über die sogenannte Schleuse, aus der damaligen Zeit auf militärischen Art: „Verein… Essen holen“ hat sich, über auf den Wagen zu den Gruppen bis hin zum Buffet zur Selbstbedienung im Eingangsbereich, noch zu Herbergszeiten, verwandelt.

 

In meiner Kinderzeit sowie danach mussten wir so manches Geschirr im

Abwaschbereich der Küche abspülen, vor allem abtrocknen. Das war in der Herberge so angedacht, da diese nur zum Übernachten vorgesehen war. So sollte die Gruppendynamik gefördert werden, so glaube ich, ein anderer Grund fällt mir nicht ein. In den Gesellschaftseinrichtungen ging es gut über diesen Weg. Ich kannte es nicht anders. Im Wandel der Zeit so um 2003 wurde, so denke ich, aus hygienischen Gründen die Mitarbeit in dem Abwaschbereich abgeschafft. Man musste den Leuten auch etwas bieten.

So wie immer wollte ich mit meinen Tisch, hatte der Verein so eingeteilt, damit jedes Kind dran war um sich nicht zu verdünnisieren, zum Abtrocknen in die Küche gehen. Da wurden wir mit der Begründung: „ Das braucht ihr nicht mehr“ abgewiesen, natürlich zu unserer Freude. Es ging sehr lustig mit dem Personal zu, da diese uns in den Jahren aufwachsen sahen. Einiges ging auch mal zu Bruch und es war leider sehr laut.

 

Am Speisesaal vorbei betreten wir den Neubau, der auf dem Boden sichtbar abgegrenzt ist. War es zu laut wurde die Tür geschlossen oder die Herbergseltern machten energisch per Mikrofon eine Durchsage, um die Nachtruhe durchzusetzen.

Die großen Zimmer blieben soweit erhalten und wurden nur zu den Kategorien eines Hotels angepasst. Ganz hinten, die ruhigste Ecke im Hause, dort wurden die einzelnen Zimmer mit neuen Fußböden, Schränken und Betten für 2 Personen in Hotelniveu umgerüstet.

 

In der 2. Etage Neubau ganz hinten zur Rasenfläche entwickelten sich die Zimmer in Laufe der Zeit von Gemeinschaftszimmern (4-6 Pers.) über Familienzimmern (4 Pers.) bis zum heutigen Zusammenschluss der Räume 26 und 27 zum Appartement mit Fernseher und Kühlschrank.

Der vordere Trakt, wurde zu Familienzimmern umgerüstet, die auch noch das Gemeinschaftsbad haben, so dass die Eltern in dem einen und die Kinder in dem anderen Zimmer schlafen. Großfamilien sind herzlich willkommen bis 9 Personen.

 

Nun zu den Kellerräumen

Dort gab es große Gemeinschaftsduschen und WC`s für die Gäste, die mit Genehmigung, ein Zeltlager auf der Rasenfläche aufschlugen.

Die Räume Grabenhaus und Schusterklippe waren in den späteren Herbergsjahren die Billiardräume sowie in den Anfängen die Tischtennisräume. Die Tischtennisplatten wurden ausgelagert und unter dem Alten Haus deponiert, so dass der Zutritt über Außen gewährleistet war wegen der Lautstärke. Grabenhaus ist renoviert und man spielt dort noch Billard.

Im Keller befanden sich die 2 Trockenräume, die besonders bei Regenwetter mit Klamotten überfüllt waren. Sind die Sachen da unten, wurden sie gerne vergessen, so dass wir regelmäßig am Tag der Abreise dort nachschauten.

Unter dem Speisesaal befindet sich die Silberhütte, ein Aufenthaltsraum, wo wir mit den Kindern Gesellschaftsspiele durchführten an den Tischen. Sie mussten ja bei strömenden Regen beschäftigt werden, da sie nicht raus konnten.

Diese Räume haben sich zu heute weigehend dahin verändert, das in dem großen Raum jetzt Tischtennis gespielt und der mittlere für Gesellschaftspiele, Lesen oder basteln genutzt wird. Im vorderen Raum, gleich am Eingang, können sich die Gäste mit Tischfußball (2) beschäftigen. Im mittleren Raum befinden sich zwei Vitrinen mit Gesteinssammlungen. Dort kann man zurzeit sich mit dem Stepper oder Walken/ Laufen fit halten. Auch gibt es eine Sauna, die es schon zu Herbergszeiten gab, wir aber davon nicht wussten in den siebziger Jahren.

 

Vorne wieder angekommen, begeben wir uns aufs Außengelände.

Über eine kleine Treppe erreichte man einen verwinkelten Raum, der zu meiner Zeit mit 2 Tischtennisplatten ausgestattet war. Dort fanden des Öfteren, um nicht zu sagen, jeden Tag, Rundläufe statt. Irgendwann bemängelten die Klassen und Jugendlichen, dass es im Ort keine Disco mehr gab. Sofort reagierten die 2. Herbergseltern darauf und ließen aus diesem Raum eine Disco für alle Altersgruppen entstehen, was gerne bis zum Schluss der Herberge angenommen wurde.  Heute ist er vorläufig Stellraum, vielleicht wird es in Zukunft ein Fitnessraum oder der Raum Schusterklippe.

 

Auf der Rasenfläche des Grundstücks hatten sich alle 2 Jahre die Feuerwehren getroffen,  was für unsere pubertierenden Kinder als Highlights galt. Vermissten wir sie, brauchten wir nur in den riesigen Zelten schauen. Ansonsten hatten wir auf dieser Fläche uns ausgetobt mit Volleyball, Fußball, Softball, Federball, Rasenspiele, Tischtennis auf Steinplatte, die gern entfremdet als Sitzfläche zum Zuschauen genutzt wurde. Erweitert wurde gegen Ende die asphaltierte Ecke mit Basketballkörben, die nicht genutzt werden konnten, weil diese als Parkplätze missbraucht wurden. 

Im hinteren Teil des ersten Anbaus befindet sich heute der Fahrradkeller ,der früher als  Tischtennisraum genutzt wurde,da er dem vorderen Raum aufgrund der Disco weichen musste. 

 

Zum Schluss ein Dank an alle Mitarbeiter

Die beiden Herbergseltern, die ich als Kind und Betreuer kennenlernen durfte, waren freundliche, gestandene, rigorose, nette Leute, die mit ihren Herzen dabei waren und vieles erduldeten. Jedoch sehr resolut durchgriffen, wenn sich andere Gäste gestört fühlten, um die Nachtruhe einzuhalten, wenn die Kinder durch das ganze Haus mit Gebrüll liefen. Für die Herbergseltern waren manche Nächte sehr kurz, um am Morgen fit für die Gäste das Frühstück vorzubereiten sowie den ganzen Tag für uns da zu sein.

 

Einen herzlichen Dank an dieser Stelle auch an die Reinigungs- und die Küchenkräfte die auch jederzeit ansprechbar für mich waren, um Sonderwünsche zu erfüllten bezüglich der Kinder oder für uns Betreuer. Durch ihre zuvorkommende und freundliche Art haben wir viel gelacht, was die Arbeit für sie und uns etwas erleichterte. Ich werde diese Personen in meinen Erinnerungen gerne in Ehre halten.

 

Ich habe den Aufenthalt mit der Zeitreise sehr genossen und wünschte mir diese Zeit zurück, was ich dank der Erinnerungen kann, solange das Haus hier existiert.

Dem neuen Eigentümer wünsche ich so viel Erfolg, dass seine Gäste immer wiederkommen, so wie ich und mein Verein es zu den Herbergszeiten von 1948 bis 2008 gerne getan haben und wenn es meine Zeit erlaubt, ich auch wieder hierhin reisen werde.

(Sabine Wiese)